Gesundheit & Medizin

Pflege-Report untersucht letzte Lebensphase von Heimbewohnern

Wie häufig werden Pflegeheim-Bewohner unmittelbar vor ihrem Lebensende in ein Krankenhaus eingewiesen – und wie groß ist bei den Betroffenen das Missverhältnis zwischen Versorgungswunsch und Wirklichkeit? Der „Pflege-Report“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) untersucht die Begleitung von Menschen am Lebensende.

Rund jeder Dritte von 37.500 in 2019 verstorbenen AOK-Versicherten in Niedersachsen lebte in einem Heim. Mehr als die Hälfte von ihnen wurde in den letzten 12 Wochen vor dem Tod mindestens einmal in ein Krankenhaus verlegt (5.900 von 10.200 Pflegeheimbewohnern). Etwa ein Viertel ist im Krankenhaus verstorben.

Dr. Jürgen Peter, Vorstandsvorsitzender der AOK Niedersachsen: „40 Prozent dieser Krankenhausaufenthalte werden nach Analyse der Wissenschaftler als potenziell vermeidbar eingeordnet. Vor diesem Hintergrund ist es einmal mehr geboten, das Netzwerk der Versorgung zwischen Pflegeheimen, Ärzten und Angehörigen weiter zu stärken und die Infrastruktur der Palliativ-Versorgung auszubauen. Die Einbindung von mobilen Hospizdiensten kann hier wertvolle Unterstützung leisten.“

Um Klinikaufenthalte als potenziell vermeidbar zu klassifizieren, haben Forscher das Konzept der sogenannten „Pflegeheim-sensitiven-Krankenhausfälle“ (PSK) entwickelt – Erkrankungen, die unter guten Bedingungen ohne Hospitalisierung im Pflegeheim behandelt werden können. Zu den vermeidbaren Krankenhausfällen zählen u.a. Einweisungen aufgrund von Herzinsuffizienz, Dehydration oder Harnwegsinfektionen.

Dr. Antje Schwinger, Forschungsbereichsleiterin Pflege beim WIdO: „Verlegungen in ein Krankenhaus bergen für die hochbetagten, multimorbiden Patientinnen und Patienten erhebliche Risiken.“ Beispiele seien hier psychische Belastungen, kognitive Verschlechterungen, in der Klinik erworbene Infektionen, Stürze, Komplikationen durch vorübergehende Ruhigstellung und der weitere Verlust von Selbstständigkeit.

Eine WIdO-Befragung von rund 550 Pflegefach- und Assistenzkräften macht ein Missverhältnis zwischen Versorgungswunsch der Pflegebedürftigen und Wirklichkeit deutlich. Laut Schwinger erlebe jeder Fünfte monatlich oder häufiger, dass Bewohnende am Lebensende in ein Krankenhaus eingewiesen werden, obwohl das aus Sicht der Befragten nicht im besten Sinne der sterbenden Menschen ist. Dazu gaben zwei Drittel der Befragten an, dass sie die Personalsituation als eher ungenügend ansehen, um die anfallende Arbeit zu erledigen.

Für spürbare Verbesserungen in der Pflege arbeitet die AOK in Niedersachsen gemeinsam mit dem Sozialministerium, den Pflegekassen, Wohlfahrtsverbänden, privaten Anbietern, Kommunalen Spitzenverbänden und Gewerkschaften in der „Konzertierten Aktion Pflege Niedersachsen“ (KAP.Ni) zusammen. AOK-Chef Peter: „Pflege ist ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag. Das Ziel ist, die bestmögliche Betreuung und Versorgung sicherzustellen. Es gilt, die Palliativ-Versorgung in Pflegeheimen zu stärken.“

Der Pflege-Report 2022 wird vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) in Kooperation mit der Charité Berlin und der Hochschule Fulda herausgegeben. 

Mehr Infos zum Pflege-Report 2022 und kostenloser Download:

https://www.wido.de/publikationen-produkte/buchreihen/pflege-report/2022/

Über AOK – Die Gesundheitskasse für Niedersachsen

Die AOK ist die größte Krankenversicherung in Niedersachsen (Marktanteil 38 Prozent). Über 2,9 Millionen Versicherte können sich auf den Schutz einer starken Gemeinschaft verlassen. Zwischen Nordsee und Harz ist die Gesundheitskasse an über 100 Standorten vertreten. Die AOK beschäftigt landesweit rund 6800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Haushaltsetat beträgt in der Kranken- und Pflegeversicherung rund 14 Milliarden Euro.

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