Gesundheit & Medizin

Melanom: Zielgerichtete Therapie, Immuntherapie und therapeutische Impfung

Die Behandlung des malignen Melanoms (schwarzer Hautkrebs) hat sich auch bei fortgeschrittener Erkrankung in den letzten zehn Jahren stark verbessert. Zielgerichtete Therapien und Immuncheckpoint-Inhibitoren haben positive Auswirkungen auf das Langzeitüberleben der Krebskranken. Welche therapeutischen Säulen die Hautkrebstherapie tragen, für wen diese Behandlungsansätze infrage kommen und welche neuen Möglichkeiten die mRNA-Technologie bietet, diskutieren Expertinnen und Experten auf der Pressekonferenz am 25. April 2023 zum Auftakt der 52. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft e. V. (DDG) vom 26. bis 29. April 2023 in Berlin.

An einem malignen Melanom erkranken in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts etwa 22.000 Männer und Frauen (Stand: 2019). Der schwarze Hautkrebs ist die fünfthäufigste Krebserkrankung. Im Vergleich zum häufigeren weißen Hautkrebs gilt das maligne Melanom als gefährlicher, denn die Krebszellen können sich meist rascher über Blut- und Lymphgefäße im Körper ausbreiten und Metastasen bilden. An erster Stelle der Therapie steht nach wie vor die operative Entfernung des Tumors. Erkrankte, bei denen eine Operation nicht angeraten erscheint, werden häufig radioonkologisch behandelt. „Noch bis vor etwa zwölf Jahren gab es für Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem, metastasierten Hautkrebs wenig Möglichkeiten für ein Langzeitüberleben bei guter Lebensqualität. Das hat sich grundsätzlich durch neue medikamentöse Behandlungen geändert“, sagt Professor Dr. med. Michael Hertl, Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Marburg und Präsident der DDG. Die therapeutische Behandlung durch Systemtherapien mit einer Vielzahl individueller Therapiemöglichkeiten hat eine neue Ära der Melanom-Behandlung eingeleitet.

Zwei Säulen tragen die Therapie: Die Immuntherapie und die zielgerichtete Therapie. Ziel der Immuntherapie ist es, durch die Blockade spezifischer Checkpoints das Immunsystem scharf zu stellen, das heißt, das eigene Immunsystem dazu zu bringen, den Hautkrebs zu bekämpfen. Die Bedeutung der Checkpoints liegt in ihrem Aktivierungspotential des körpereigenen Immunsystems. Als eine Art Schaltstelle prägen sie die Balance zwischen nötiger Aggressivität, z. B. gegen Krebszellen und der Gegenregulation einer überschießenden Immunantwort gegen körpereigene, gesunde Zellen. Auch der Tumor selbst kann auf die Checkpoints wirken und damit die Tumor-bekämpfenden Immunzellen schwächen. Die intravenös verabreichten Checkpoint-Inhibitoren (monoklonale Antikörper) verhindern die Unterdrückung der Immunantwort. Damit können die Abwehrzellen des Immunsystems den Tumor verstärkt angreifen. „Da die Immuntherapie das körpereigene Abwehrsystems aktiviert, kann es als Nebenwirkung der Therapie zu überschießenden Immunreaktionen mit schweren Entzündungsreaktionen an der Haut, aber auch Entzündungen an Schilddrüse, Leber, Lunge, Bauchspeicheldrüse oder Darm sowie Herzschäden kommen“, erklärt Hertl.

Die zweite moderne Behandlungssäule ist eine zielgerichtete Therapie, die für etwa die Hälfte der erkrankten Menschen infrage kommt. Im Zentrum des Behandlungsansatzes stehen sogenannte Treibermutationen (Oncogene) des Tumors, die für das Überleben und Wachstum der Krebszellen relevant sind. Auf diese Treibermutationen ausgerichtet konnten Kinase-Inhibitoren entwickelt werden, die überaktivierte Signalwege hemmen, damit das Krebswachstum bremsen und zu einem Abnehmen der Tumormasse führen. Kinasen sind Schlüsselenzyme, die viele Vorgänge in der Zelle steuern.

Wenn gleichzeitig mit den in Tablettenform verabreichten Kinase-Inhibitoren andere Medikamente eingenommen werden, kann es unerwünschte Nebenwirkungen wie beispielsweise Fieber geben. Wichtig sind regelmäßige kardiologische Untersuchungen im Zeitverlauf der Einnahme zielgerichteter Medikamente. Alle Nebenwirkungen lassen nach dem Absetzen der Kinase-Hemmer in der Regel wieder nach.

Die Erfolge beider therapeutischen Ansätze sind überzeugend. Das zeigt die 5-Jahres-Überlebensrate, ein Prognosewert, der Auskunft darüber gibt, wie viel Prozent einer Patientengruppe, nach Ablauf von fünf Jahren noch lebt. Im fortgeschrittenen Stadium des Melanoms (also Stadium III und IV nach UICC-Einteilung, die gezieltere Aussagen über den weiteren Krankheitsverlauf und Therapiemöglichkeiten zulässt) leben 72 % der Frauen und 60 % der Männer (III), bzw. 32 % der Frauen und 19 % der Männer (IV) nach fünf Jahren. „Ein Melanom in fortgeschrittenem Stadium ist heutzutage kein Todesurteil mehr“, fasst Hertl zusammen.

Ganz neue Ausblicke auf eine Therapie könnten therapeutische Impfungen mit mRNA-Vakzinierung in Kombination mit Checkpoint-Inhibitoren bei Hautkrebs ergeben. „Das sind individualisierte Impfstoffe, die sozusagen einen Tumor-Steckbrief für das Immunsystem haben“, erläutert Hertl. Bei der „Krebsimpfung“ wird das Immunsystem aktiviert, um einen bereits bestehenden, internen Feind, die Krebszellen, zu erkennen und zu bekämpfen. „Die mRNA-Technologie hat das Potenzial, das Immunsystem sehr präzise gegen den individuellen Krebs eines Patienten zu aktivieren“, so Hertl. Da die Entstehung von Krebs nicht vorhergesagt werden und eine Behandlung erst beginnen kann, wenn der Krebs bereits besteht, handelt es sich bei Krebsimpfungen um therapeutische Impfstoffe.

In die Therapie des malignen Melanoms ist Bewegung gekommen. Aber die Prävention von Hautkrebs ist und bleibt wichtig. „Regelmäßige und hohe UV-Belastung mit Sonnenbränden vor allem im Kindes- und Jugendalter sind eine zentrale Ursache für Hautkrebs. Hier ist jede und jeder Einzelne aufgefordert, sich zu schützen und durch entsprechendes Verhalten das Risiko zu senken“, fasst Hertl zusammen.

Literatur:
Wilden SM, Lang BM, Mohr P, Grabbe S. Checkpoint-Inhibitoren in der Immuntherapie: Ein Meilenstein in der Behandlung des malignen Melanoms. JDDG. 2016. https://doi.org/10.1111/ddg.13012_g

Terminhinweise:
Pressekonferenz zum Auftakt der 52. DDG-Tagung
Termin: Dienstag, 25. April 2023 von 13 bis 14 Uhr
Ort: Hörsaal im Kaiserin-Friedrich-Haus
Adresse: Robert-Koch-Platz 7, 10117 Berlin
Einwahl-Link: https://us06web.zoom.us/j/83324548680?pwd=KzdMcDI1dG14b2d5WjlQRXlzSEk2UT09
Kenncode: 585545
(Zur Pressekonferenz im Vorfeld angemeldete Teilnehmer erhalten eine Erinnerungsmail.)

Anmeldung zur Teilnahme an der Pressekonferenz:
Zusammen mit der Registrierung zur DDG-Tagung oder per Mail über die DDG-Pressestelle. Den Einwahllink finden Sie auch im Programm der Pressekonferenz.
Zum Programm der Pressekonferenz

52. DDG-Tagung vom 26. bis 29. April 2023:
Wissenschaftliches Programm, Tagungsnews und weitere Informationen
www.derma-tagungen.de 

Anmeldung zur Teilnahme an der Tagung:
Registrierung auf der Seite https://www.m-anage.com/Home/Index/Event/ddg2023/de-DE

AKS13
Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO): Diskussion dermatoonkologischer Entscheidungsprozesse anhand konkreter Fallbeispiele
Vorsitzende: C. Berking, R. Gutzmer
Termin: Mittwoch, 26. April 2023, 15:30 – 17:00 Uhr
Ort: Saal A4, CityCube Berlin
Weitere Infos: https://www.derma-tagungen.de/release/ddg2023/de-DE/session/104462

S01
Track Onkologie: Melanom
Vorsitzende: R. Gutzmer, C. Berking, J. C. Hassel
Termin: Donnerstag, 27. April 2023, 10:45 – 12:15 Uhr
Ort: Saal A8, CityCube Berlin
Weitere Infos: https://www.derma-tagungen.de/release/ddg2023/de-DE/session/104478

Über Deutsche Dermatologische Gesellschaft

Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) e. V. ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft der deutschsprachigen Dermatologinnen und Dermatologen. Als eine gemeinnützige Organisation mit mehr als 4.000 Mitgliedern fördert sie Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Dermatologie und ihrer Teilgebiete. Die DDG setzt sich für die Förderung der klinischen und praktischen Dermatologie, Allergologie und Venerologie sowie ihrer konservativen und operativen Teilgebiete ein. Mit der Durchführung von wissenschaftlichen Veranstaltungen und Kongressen engagiert sie sich in der Fort- und Weiterbildung, sie entwickelt Leitlinien und unterstützt Forschungsvorhaben durch Anschubfinanzierungen und Förderungen. Darüber hinaus vergibt die DDG zusammen mit der Deutschen Stiftung für Dermatologie Forschungsgelder und Stipendien an vielversprechende Nachwuchsmedizinstudierende und an namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

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