Gesundheit & Medizin

„Hier gibt es die pralle Medizin“

„Na, hier ist das Stuhlbein“, sagt Lotti und schaut Ärztin Anda Vasters mit diesem „Das weiß doch jedes Kind“-Blick ein wenig ungläubig an. Ein paar Türen weiter liegt Marcus W. auf der Liege, während das EKG-Gerät seine Herzströme aufzeichnet. Der junge Mann steht kurz vor der Verbeamtung – aber ohne gründliche Untersuchung wird das nichts. Und noch einmal zwei Türen weiter berät sich Henrik Reygers mit seinem Stellvertreter: Der Arzt ist gerade von einer Begehung zurückgekommen. Mängel hat er festgestellt in einer Altenpflegeeinrichtung, da muss schnellstens gehandelt werden. Und dann kommt noch der Anruf der Polizei, es gibt einen Toten, Rüdiger Rau wird rausfahren und den Leichenschein ausstellen. Nur vier ganz unterschiedliche Situationen, die sich an nur einem Vormittag zeitgleich im Vogelsberger Gesundheitsamt abspielen. Und die zeigen: Vielschichtiger könnten die Aufgaben dieses Amtes kaum sein. 

Bleiben wir bei Lotti und Anda Vasters. So wie der kleine Lockenkopf müssen alle Jungen und Mädchen aus dem Vogelsbergkreis einmal in ihrem Leben ins Gesundheitsamt kommen – und zwar zur Schuleingangsuntersuchung. „800 bis 900 Kinder sind das pro Jahr“, erzählt Anda Vasters. Nahezu jeden Tag finden solche Untersuchungen statt, sitzen Eltern mit ihren Sprösslingen im Wartebereich des Gesundheitsamtes, gehen mit ihnen zum Seh- und Hörtest und eben zum Gespräch mit einer der Ärztinnen.

Kommen wir zum zweiten Beispiel, dem jungen Mann, der verbeamtet werden soll. „Wir bieten eine Vielzahl solcher amtsärztlichen Untersuchungen an – aus ganz unterschiedlichen Gründen“, erklärt Dr. Henrik Reygers, der kommissarische Leiter des Vogelsberger Gesundheitsamtes. Bus- und Lkw-Fahrer kommen für eine spezielle Augenuntersuchung ins Gesundheitsamt, die Atemschutzgeräteträger von der Feuerwehr führen ihre G 26 Untersuchung in Lauterbach durch und schließlich wird das Amt auch gefragt, wenn ein Asylbewerber Anspruch auf eine bessere Ernährung hat, weil er zum Beispiel Diabetiker ist. „Der sogenannte Mehrbedarf nach dem Asylbewerberleistungsgesetz muss von uns ermittelt werden“, schildert Amtsarzt Reygers.

Es gibt noch viele weitere Aufgaben im Bereich dieses „Gutachterwesens und Sozialmedizin“. Da müssen – wen wundert es bei dieser Fachbezeichnung – natürlich Gutachten erstellt werden, man hat die Medizinalaufsicht über verschiedene Berufe wie Hebammen oder Heilpraktiker und über Krankenhäuser und Praxen. „Wenn wir eine Begehung in einem Krankenhaus oder Altenheim machen, dann geht es um Hygiene, wir schauen auf die Sauberkeit in allen Bereichen, in den Zimmern, den sanitären Anlagen und den Fluren, wir schauen, ob die Bestecke im OP steril sind und wir gucken nach, ob kein Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist“, schildert Dr. Reygers in groben Zügen diesen Arbeitsgang.

Apropos Hygiene: Diese Abteilung des Gesundheitsamtes stand vor allem in Corona-Zeiten im Fokus. Und sie hat eine weitere ganz wichtige Aufgabe: „Unsere Hygiene kümmert sich um unser Lebensmittel Nummer 1, das Trinkwasser“, unterstreicht Dr. Reygers.

„Man muss ganz klar sagen: Prävention und gesundheitliche Aufklärung stehen für uns an erster Stelle“, betont der stellvertretende Amtsleiter Dr. Dr. Rüdiger Rau. „Eine ganz wichtige Abteilung ist da unser jugendärztlicher Dienst“, ergänzt Jessica Luft, die Verwaltungsleiterin des Amtes, und nennt an dieser Stelle noch den Arbeitskreis Jugendzahnpflege, dessen Geschäftsführung ebenfalls am Gesundheitsamt angesiedelt ist, die Fachstelle gesundheitliche Versorgung, die Stelle der Gesundheitskoordinatorin, und, und, und.

Ja, und dann gibt es noch den sozial-psychiatrischen Dienst des Amtes – eine nicht leichte Aufgabe, weiß Amtsarzt Reygers. „Da kommt man in viele Lebenssituationen und Wohnungen, manchmal blickt man in familiäre Abgründe“, sagt Dr. Reygers und erinnert an einen Mann, der eine Frau geheiratet hat, nur um sich dann an den Kindern zu vergehen. Und er denkt an alte Menschen, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben und jetzt verwahrlosen, weil sie alleine sind und krank. Und er denkt an Kinder, um die sich nicht gekümmert wird. In solchen Fällen tritt der sozial-psychiatrische Dienst auf den Plan, um zu helfen. Meist wird er gerufen von Nachbarn, dem Umfeld, von Gemeinden oder Schulen. Man kann bei psychischen Auffälligkeiten aber auch selbst aktiv werden und nach Hilfe fragen. Man kann sich direkt im Gesundheitsamt beraten lassen, man muss nur telefonisch einen Termin vereinbaren.

„Wir haben hier keine Akten- und Behördentätigkeit – hier gibt es richtig pralle Medizin“, sagt Dr. Reygers schmunzelnd und kommt aufs nächste Feld zu sprechen, das man eigentlich nur aus dem Sonntags-Krimi kennt: Der Amtsarzt und seine Kolleginnen und Kollegen werden auch zu Leichenschauen gerufen, mal beim Bestatter, mal zu Hause, mal auch in eine Wohnung, in der die Leiche schon Tage oder Wochen lag.

Alles in allem: Diese Liste ist bei weitem nicht vollständig, sie ließe sich um eine ganze Reihe Punkte ergänzen – unter anderem auch um Vaterschafts-Abstrich oder Corona-Verdienstausfall -, doch auch dieser kleine Ausschnitt zeigt: Die Arbeitsbereiche eines Gesundheitsamtes sind unglaublich vielfältig und spannend. Das ist so viel mehr als Impfen oder Hörtest…

Hintergrund:

Vogelsbergkreis. „Das Gesundheitsamt vor Ort ist eine zentrale Säule für den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung“, betont Dr. Dr. Rüdiger Rau, der stellvertretende Leiter des Vogelsberger Amtes, und weist auf den „Tag des Gesundheitsamtes“ hin, den das Robert-Koch-Institut erstmal 2019 ausgerufen. Und zwar am 19. März, dem Geburtstag von Johann Peter Frank. Der Mitte des 18. Jahrhunderts geborene Arzt und Sozialmediziner gilt als Begründer des öffentlichen Gesundheitsdienstes.

In diesem Jahr steht der Tag des Gesundheitsamtes unter dem Motto „Soziale Ungleichheit und Gesundheit“. „Der Einfluss des sozialen Status – also nicht zuletzt Bildung, Beruf und Einkommen – auf Gesundheit und Lebenserwartung wird durch epidemiologische Studien regelmäßig bestätigt“, erklärt Dr. Rau. Dabei zeige sich, dass Menschen mit einem niedrigeren Sozialstatus vermehrt von chronischen Krankheiten, von psychosomatischen Beschwerden, gar von Unfallverletzungen und Behinderungen betroffen seien.

„Die Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitswesen haben die Bevölkerungsgruppen im Fokus, für die kein oder nur ein erschwerter Zugang zur gesundheitlichen Regelversorgung gegeben ist“, so Dr. Rau abschließend.

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