Diabetische Retinopathie: Fundusfotografie als Alternative zur Ophthalmoskopie
Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) haben Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des IQWiG nun die Vor- oder Nachteile der Fundusfotografie untersucht. Dabei ging es um Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2, bei denen keine bekannte abklärungs- oder behandlungsbedürftige diabetische Retinopathie vorliegt. Die Fundusfotografie sollte als vorgeschaltetes Screening-Instrument dienen. Verglichen wurde die diagnostische Güte der Fundusfotografie einerseits und der binokularen Untersuchung des Augenhintergrundes (Ophthalmoskopie) nach Erweiterung der Pupille durch Augentropfen andererseits.
Das Wissenschaftsteam kam zu dem Ergebnis, dass das jährliche Screening mit vorgeschalteter Fundusfotografie zwar keinen höheren Nutzen als das herkömmliche Verfahren aufweist, aber zumindest einen vergleichbaren Nutzen. Für die Versorgung hat die Fundusfotografie große organisatorische Vorteile: Sie kann mit einer zeitlich versetzten Befundung verknüpft und dezentral eingesetzt werden und ist einfacher durchführbar. Denn für die meisten Patientinnen und Patienten entfällt das Weittropfen der Augen. Da man mit weit getropften Pupillen einige Stunden lang schlechter sieht und nicht Auto fahren darf, schreckt diese Diagnostik bislang viele Betroffene vom Screening ab.
„Das ist eine gute Nachricht für Menschen mit Diabetes: Die Untersuchung der Augen lässt sich deutlich einfacher durchführen – vor allem, weil das für viele Menschen lästige Weittropfen regelhaft entfällt. Ich hoffe, dass daher zukünftig mehr Betroffene eine Früherkennungsuntersuchung wahrnehmen. Denn bisher geschieht dies leider zu selten, sodass Netzhautprobleme oft erst spät erkannt werden“, sagt Moritz Ernst, Projektleiter im Ressort Nichtmedikamentöse Verfahren beim IQWiG.
Wenn die Netzhaut in der Fundusfotografie normal aussieht, ist eine weitere augenärztliche Abklärung verzichtbar. Dies ist bei etwa 90 bis 95 Prozent der Untersuchten der Fall, sodass sich die Fundusfotografie gut als vorgeschaltetes Instrument nutzen ließe.
Auch deshalb wird in Deutschland (u. a. mit DIVA, einem Projekt des Innovationsfonds des G-BA in Thüringen) derzeit untersucht, ob der Einsatz der Fundusfotografie die Teilnahmerate am Screening relevant erhöhen kann. Gerade in Gebieten mit einer dünnen fachärztlichen Versorgung könnte die Untersuchung z. B. auch im hausärztlichen Kontext stattfinden und so praktische Vorteile bieten. Auch telemedizinische Anwendungen sind denkbar.
Vollständig ersetzen kann die Fundusfotografie die Ophthalmoskopie aber bislang nicht. Denn zu dieser Frage lagen keine entsprechenden Studien vor.
Zum Ablauf der Berichterstattung
Der G-BA hat das IQWiG im Juli 2025 mit der Bewertung der Fundusfotografie zur Diagnostik der diabetischen Retinopathie beauftragt. Die vorläufigen Ergebnisse hatte das IQWiG als Vorbericht im Februar 2026 veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Nach Abschluss des Stellungnahmeverfahrens hat das Projektteam den Bericht überarbeitet und im Juli 2026 an den Auftraggeber versandt. Die eingegangenen schriftlichen Stellungnahmen und das Protokoll der wissenschaftlichen Erörterung werden in einem eigenen Dokument zeitgleich mit dem Abschlussbericht publiziert.
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