Gonçalo Pacheco de Almeida: Strategisches Management und internationale Forschung zwischen HEC Paris und der Technischen Universität München (TUM)
Internationale Erfahrungen prägen seinen wissenschaftlichen Werdegang
Er ist tadellos gekleidet, spricht ruhig und geschliffen und erweckt den Eindruck eines Mannes, der seinen Platz gefunden hat. „Die Wissenschaft ist für mich ein faszinierender Bereich“, sagt Gonçalo Pacheco de Almeida, Professor für Strategy and Business Policy, Dieter Schwarz Foundation Chaired Full Professor of Strategy and Negotiation und Academic Director of the MBA Strategy Specialization an der HEC Paris. „Manchmal sehe ich mich als eine Art Unternehmer auf dem Markt der Ideen.“
Seit 2011 ist Pacheco de Almeida an der HEC tätig, seit 2020 als Full Professor. Doch bevor die französische Hauptstadt zu seinem Lebensmittelpunkt wurde, lebte er an verschiedenen Orten der Welt und kam mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen in Kontakt. „Ich bin Portugiese und stamme aus Lissabon. Meinen Bachelor und Master in Wirtschaftswissenschaften habe ich in meinem Heimatland gemacht“, berichtet er. „Danach promovierte ich an der renommierten Business School INSEAD in Frankreich im Bereich Strategisches Management und verbrachte dort fünfeinhalb Jahre. Anschließend zog ich in die USA und war von 2002 bis 2011 Professor an der New York University.“
Seine Promotion und die erste Professur bezeichnet Pacheco de Almeida als die wichtigsten Stationen in seiner akademischen Karriere. „Dort habe ich mit Menschen unterschiedlichster wissenschaftlicher Hintergründe zusammengearbeitet und erlebt, mit welcher intellektuellen Hingabe sie wissenschaftliche Fragen angehen. Diese Erfahrungen haben mich als Wissenschaftler maßgeblich geprägt.“
Während seines Jahrzehnts in den USA war Pacheco de Almeida bereits verheiratet. Seine Frau und er waren in New York beruflich bestens etabliert. Warum kehrten sie trotzdem nach Europa zurück? „Das war eine sehr persönliche Entscheidung“, sagt der Ökonom. „Wir sind beide Europäer – meine Frau stammt aus Paris. Wir wollten wieder näher bei unseren Familien sein, aber gleichzeitig von dem globalen Netzwerk profitieren, das wir im akademischen Bereich in den USA aufgebaut hatten. Da war die HEC eine ideale Wahl.“
Forschung zu Innovation, Wettbewerb und geistigem Eigentum
So hat Pacheco de Almeida nun alles, was er sich wünschen kann: einen inspirierenden Job an einer Exzellenz-Universität, den Kontakt zu interessanten Persönlichkeiten aus aller Welt und gleichzeitig die Nähe zur Familie in Portugal und in Paris. Er forscht zu spannenden und zukunftsträchtigen Themen: Besonders stolz ist er auf seine Veröffentlichung „Some Like It Free: Innovators‘ Strategic Use of Disclosure to Slow Down Competition“, in der er zeigt, dass Unternehmen ihr geistiges Eigentum teilweise bewusst offenlegen. „Meine Arbeit zeigt einen der Gründe dafür: Diese innovativen Unternehmen schaffen einen Anreiz für ihre Wettbewerber, nicht sofort in den Markt einzusteigen, sondern abzuwarten, bis sie die Technologie nachahmen können. Dadurch nimmt der Konkurrenzdruck auf das eigene Unternehmen ab.“
Als aktuelles Beispiel nennt er die Handelsbeziehungen zwischen China und dem Westen: Lange Zeit konnten chinesische Unternehmen auf westliche Technologien zurückgreifen, sie übernehmen und weiterentwickeln, anstatt von Grund auf eigene Lösungen zu entwickeln. Dadurch seien sie eher Nachahmer geblieben als zu ernsthaften Wettbewerbern geworden. Erst die Exportbeschränkungen der USA für Halbleitertechnologien nach China hätten chinesische Unternehmen dazu veranlasst, eigene technologische Kompetenzen aufzubauen – dadurch habe sich der Wettbewerbsdruck auf die US-Unternehmen erhöht.
Neben seiner Forschung ist Pacheco de Almeida weiterhin viel unterwegs: Bereits seit 2011 hält er fünf- bis sechsmal im Jahr Vorlesungen am Campus der HEC in Katar. Eine weitere prägende Erfahrung: „Ich konnte die Entwicklung des Landes über viele Jahre hinweg aus nächster Nähe verfolgen. Besonders beeindruckt hat mich, wie rasant sich Katar verändert hat. Mit diesem Wandel gingen auch gesellschaftliche Veränderungen einher, die sich sogar im Unterricht bemerkbar machen – etwa durch die Zusammensetzung der Teilnehmenden, die Art der Diskussionen oder die zunehmende Emanzipation von Frauen.“
Zusammenarbeit zwischen HEC Paris und der Technischen Universität München (TUM) stärkt den internationalen Forschungsaustausch
Seine Expertise bringt Pacheco de Almeida auch in die Partnerschaft zwischen der HEC Paris und der Technischen Universität München ein: „Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der HEC und der TUM engagiere ich mich vor allem in zwei jährlich stattfindenden Forschungsformaten. Zum einen gibt es einen Doktoranden-Workshop, bei dem Promovierende beider Hochschulen ihre Forschungsprojekte vorstellen und von den Professorinnen und Professoren konstruktives Feedback erhalten. Zum anderen wurde in diesem Jahr ein neuer zweitägiger Forschungsworkshop der Familienunternehmenszentren beider Universitäten – dem HEC Paris – Dieter Schwarz Center for Family Business und dem Global Center for Family Enterprise am TUM Campus Heilbronn – ins Leben gerufen. Beide Formate fördern den wissenschaftlichen Austausch und stärken die Zusammenarbeit zwischen den beiden Hochschulen.“
Auch das Global Technology Forum zählt für Pacheco de Almeida zu den Höhepunkten der Kooperation: „In diesem Jahr habe ich bereits zum zweiten Mal teilgenommen. Jedes Mal ist es für mich eine bereichernde Erfahrung – nicht nur fachlich, sondern auch persönlich. Der Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen und Ländern hat mir viele neue Perspektiven eröffnet“, sagt er. Man darf gespannt sein, auf welche Weise Prof. Gonçalo Pacheco de Almeida die Zusammenarbeit zwischen dem TUM Campus Heilbronn und der HEC Paris künftig voranbringen wird.
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