Energie- / Umwelttechnik

20 Jahre EEG: „Erfolgsgeschichte mit schlechten Fortsetzungen“

Als am 1. April 2000 das Erneuerbare-Energien-Gesetz in Kraft trat, lag der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Stromverbrauch bei gerade 6 Prozent und wurde durch Wasserkraft geprägt – heute sind es 42 Prozent mit Wind- und Solarenergie als zentralen Säulen. Dr. Thomas E. Banning, Vorstandsvorsitzender der NATURSTROM AG, erinnert an den großen Erfolg des Gesetzes und mahnt zugleich Reformen an: 

„Das EEG in seiner ursprünglichen Form war ein äußerst schlankes Gesetz von gerade fünf Seiten. Mit dem Einspeisevorrang für die Erneuerbaren und einer festgelegten Vergütung für eingespeiste Strommengen hat es Investitionssicherheit geschaffen – und somit die Initialzündung gegeben für einen beispiellosen Transformationsprozess in der Energiewirtschaft. Der wurde von den alten Energieversorgern lange Jahre nicht gewollt, dafür aber umso mehr mit Vehemenz vorangetrieben durch Bürgerinnen und Bürger, mittelständische Unternehmen und neue Energieanbieter wie die NATURSTROM AG. Mit dem EEG hat Deutschland einen großen umweltpolitischen Schritt getan und zugleich die Windenergie und Photovoltaik aus den Hinterhofwerkstätten herausgeholt und zu innovativen Industriezweigen gemacht. Wir können in Deutschland zu Recht stolz sein auf das, was wir mit dem EEG angestoßen und erreicht haben – nicht nur bei uns im Lande sondern weltweit. Denn Sonnenstrom ist inzwischen konkurrenzlos günstig und hilft in Schwellen- und Entwicklungsländern in großem Stil bei der Elektrifizierung und dem Aufbau eines besseren Lebensstandards. Für mich ist das EEG das beste Entwicklungshilfeprogramm, das je von Deutschland ausging.

Das EEG ist ein echter Meilenstein in der deutschen Umwelt-, Wirtschafts- und Entwicklungspolitik. Wir können den Schöpfern dieses Gesetzes dankbar sein, dass sie trotz erheblicher Gegenwehr der alten Strukturen einen Weg gefunden haben, der sich im Rückblick als große Erfolgsstory darstellt.

Trotz aller Freude über das Erreichte muss man aber auch feststellen, dass es die Bundesregierung in den letzten Jahren nicht geschafft und häufig auch gar nicht erst versucht hat, diese Story fortzuschreiben. Die Konsequenz: Das EEG ist eine Erfolgsgeschichte mit immer schlechter werdenden Fortsetzungen. Vor allem die letzten Novellen zielen darauf ab, die Bürgerenergie-Bewegung zurückzudrängen und zentralistische Strukturen aus der alten, fossil-atomaren Energiewirtschaft ins Zeitalter der Erneuerbaren hinüberzuretten.

Aktuell stehen dringende Notoperationen an, damit die aus Klimaschutzsicht nötigen Ausbaupfade nicht deutlich verfehlt werden. Der Solardeckel, der den Ausbau der Photovoltaik ab diesem Sommer behindern wird, muss schnellstmöglich gestrichen werden. Und es muss endlich dafür gesorgt werden, dass der Ausbau der Windenergie weitergeht – zu groß sind die Hürden und Hemmnisse inzwischen, tausende Arbeitsplätze gingen schon verloren und nicht weniger sind akut gefährdet. Das Bundeswirtschaftsministerium ist in der Pflicht, seine im Oktober verfasste Aufgabenliste zur Stärkung der Windenergie endlich konsequent abzuarbeiten – unverständlich und für Umwelt wie Wirtschaft gleichermaßen inakzeptabel, wie das Ministerium durch seine Untätigkeit die Zukunft aufs Spiel setzt.

Wenn die akuten Hürden beseitigt sind, sollte das EEG generalüberholt werden. Das EEG 2017 ist ein Mahnmal der Überregulierung. Es unterbindet Innovationen und behindert die notwendige Nutzung von Speichertechnologien, es bremst kreative Anwendungen bestehender Technologien in lokalen Kontexten aus, hemmt Investitionen in kleinräumige Versorgungsstrukturen und beraubt die Erneuerbaren damit einer ihrer wesentlichen Stärken. Damit die Energiewende auf Erfolgskurs bleibt, brauchen wir keine Konzerne und großtechnischen Lösungen, sondern weiterhin in großem Maße dezentrale Strukturen und besonders die Menschen, die Projekte bei sich vor Ort initiieren und jahrzehntelang nutzen. Dafür benötigen wir auch in den nächsten Jahren klare gesetzliche Regeln, das EEG in einer renovierten Form ist dafür das richtige Instrument.“

Über die NATURSTROM AG

Die NATURSTROM AG wurde 1998 in Düsseldorf gegründet und versorgt mehr als 260.000 Haushalte, Unternehmen und Institutionen mit naturstrom, naturstrom biogas und nachhaltiger Wärme. Damit ist NATURSTROM einer der führenden Öko-Energieversorger in Deutschland. Daneben setzt das Unternehmen auf den konsequenten Ausbau dezentraler, erneuerbarer Energien. Über 300 Öko-Kraftwerke sind durch Mitwirkung von NATURSTROM bislang ans Netz gegangen. Zudem realisiert NATURSTROM verbrauchsnahe, sektorübergreifende Versorgungslösungen: von der ökologischen Nahwärmebelieferung in ländlichen Kommunen über Mieterstrom bis hin zu Strom-, Wärme- und E-Mobilitätsangeboten für mittelständische Betriebe oder ganze Quartiere. Mehr als 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen an 13 Standorten die Energiewende voran. Für ihre Vorreiterrolle wurde die NATURSTROM AG vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Europäischen Solarpreis.

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