Dr. Reuter Investor Relations – Latino-Power für Frequentis
Dass der Umsatzanteil des amerikanischen Kontinents im Geschäftsjahr 2025 um 50 Prozent auf 27 Prozent stieg, ist aber nicht nur dem boomenden US-Geschäft geschuldet, sondern auch den Aufträgen aus Lateinamerika. Hier spielt Frequentis zum einen eine wichtige Rolle bei der Flugsicherung von Airports. So gab das Unternehmen im Mai auf der Fachmesse Airspace World 2026 in Lissabon bekannt, zusammen mit Partner DECEA, das brasilianische Luftfahrtkontrollamt, die laufende gemeinsame Modernisierung des Kommunikationsnetzwerks für Brasilien auf die gesamte Amazonasregion auszuweiten. Mit dem Projekt CINDACTA IV werden die Netzwerklösungen zur Luftsicherung auf das geografisch weiträumig und dünn besiedelte Amazonsgebiet erstreckt.
In Brasilien hatte Frequentis auch 2019 die erste Digital-Tower-Installation in Südamerika abgeschlossen. Konkret handelt es sich dabei um die Airbase Santa Cruz, wo der Remote-Tower im Oktober 2019 nach sechs Monaten Lieferzeit in Betrieb genommen wurde. Digitale Tools ermöglichen dabei die automatische Objekterkennung, laufende Überwachung und Bilderkennung und -verfolgung.
Welche bedeutende Rolle der brasilianische Markt für Frequentis spielt zeigt sich auch darin, dass Frequentis do Brasil auf Länderebene das bis dato einzige Kompetenzzentrum des Unternehmens in Lateinamerika bildet. Gegründet wurde Frequentis do Brasil im Jahr 2011. Den ersten Großauftrag in der Flugüberwachung sicherte sich Frequentis 2007, als das Unternehmen bei der Ausrüstung des Towers am Airport São Paulo-Congonhas mit Kommunikationssystemen im Rahmen einer Ausschreibung zum Zuge kam.
In Kolumbien wiederum ist Frequentis ein langjähriger Kooperationspartner auf militärischer Ebene. Zuletzt sicherte sich das Unternehmen im Februar 2025 einen Auftrag seitens der kolumbianischen Luftwaffe. Hier geht es darum, die Luftverteidigungssysteme (FAC) und die Hälfte von Kolumbiens militärischen Luftsicherungsstandorten kommunikationstechnisch zu modernisieren. Der letzte größere Auftrag aus Argentinien stammt aus dem Jahr 2020. Dort schloss Frequentis innerhalb eines Jahres die von der argentinischen Flugsicherung Empresa Argentina de Navegacion Aerea (EANA) in Auftrag gegebene Installation der Sprachkommunikations- und DIVOS-Recordingsysteme von Frequentis für alle argentinischen Fluginformationsregionen an insgesamt fünf Luftverkehrskontrollzentralen ab.
Angesichts der durch die Expansion des regionalen und internationalen Luftverkehrs notwendigen Modernisierung der Kommunikationssysteme für den Flugverkehr ist davon auszugehen, dass die Region Lateinamerika für Frequentis immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Wie stark gerade das operative Geschäft läuft, haben die vorläufigen Geschäftszahlen für das erste Halbjahr untermauert. Der Konzernumsatz legte um 43,6 Prozent auf rund 340 Millionen Euro zu. Der operative Gewinn soll bei rund 15 Millionen Euro herauskommen, was bei dem saisonal geprägten Geschäft von Frequentis eine ungewöhnlich positive Entwicklung ist. Im Vorjahr hatte das Unternehmen hier noch ein Minus von 4,3 Millionen Euro verbucht. Der Auftragseingang wird auf rund 360 Millionen steigen, was gegenüber den 309 Millionen Euro vom Vorjahr ein Plus von 16,5 Prozent bedeutet.
Zugute kam dabei Frequentis, dass einige Großprojekte, deren Abwicklung erst für das zweite Halbjahr geplant war, bereits in den ersten sechs Monaten umsatz- und ergebniswirksam wurden. Vor diesem Hintergrund hat Frequentis die Umsatzprognose für 2026 angehoben. Das Unternehmen erwartet jetzt 15 Prozent Umsatzplus, eine deutliche Steigerung gegenüber den bislang prognostizierten zehn Prozent. Bei der EBIT-Marge hält das Management bei der bisherigen Zielmarke von rund sieben Prozent fest.
Das detaillierte Zahlenwerk wird Frequentis am 11. August den Finanzmärkten präsentieren. Der Aktienkurs ist bereits jetzt wieder angesprungen. In den ersten zwei Handelstagen nach Bekanntgabe der vorläufigen Zahlen ging es mit dem Mid Cap um rund 15 Prozent nach oben. Gut denkbar ist, dass einige Analysten im Anschluss an die Präsentation der Detailzahlen für das 1. Halbjahr 2026 ihre Kursziele nach oben anpassen. Aktuell liegen die Kursziele zwischen 71,80 und 91,00 Euro.
Mit einem 2027er-KGV von 24 ist die Frequentis-Aktie auf den ersten Blick angemessen bewertet für ein Unternehmen, bei dem die Konsensschätzungen der Analysten in den nächsten drei Jahren ein Gewinnwachstum im mittleren bis oberen zweistelligen Bereich erwarten. Dieser Blick könnte sich in zweierlei Hinsicht relativieren. Übertrifft Frequentis die Gewinnerwartungen, steigt die Aktienbewertung schneller als erwartet. Ein zweiter entscheidender Faktor wäre, dass sich der Softwareanteil am Gesamtumsatz weiter erhöht. Zuletzt lag er bei 20 Prozent – ein wichtiger Parameter angesichts der Tatsache, dass Investoren den Unternehmen mit Softwarefokus eine höhere Aktienbewertung zubilligen als rein hardwaregetriebenen Firmen.
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Frequentis AG
ISIN: ATFREQUENT09
www.frequentis.com
Land: Österreich
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