Bundestagsdebatte zu Menschenhandel
„Jede Maßnahme, die Opfer besser schützt und Täter konsequenter verfolgt, ist ein wichtiger Schritt“, sagt Marina Nobiling, Vorstandsmitglied von Samaritan’s Purse Deutschland. „Um Menschenhandel wirksam zu bekämpfen, dürfen wir aber nicht nur über Strafverfolgung sprechen. Wir müssen auch den Mut haben, die Ursachen in den Blick zu nehmen.“
Mit dem Berliner Projekt Alabaster Jar begleitet Samaritan’s Purse seit vielen Jahren Frauen im Rotlichtmilieu. Die Mitarbeiterinnen und Ehrenamtlichen begegnen dort regelmäßig Frauen, deren Lebensgeschichten von Gewalt, Armut, Suchterkrankungen und vielfältigen Abhängigkeiten geprägt sind.
„Die politische Debatte trennt häufig zwischen freiwilliger Prostitution und Zwangsprostitution“, so Nobiling. „Unsere Erfahrung ist, dass die Lebenswirklichkeit vieler Frauen deutlich komplexer ist.“ Es brauche jetzt politisch den Mut zu einer grundsätzlichen Debatte, so Nobiling. Sie fragt: „Kann eine Gesellschaft Menschenhandel wirksam bekämpfen wollen und gleichzeitig die Strukturen unangetastet lassen, auf denen der Markt für Prostitution beruht?“
Die Bundesregierung selbst erkenne mit der geplanten Ausweitung der sogenannten „Nachfragestrafbarkeit“ an, dass Nachfrage Ausbeutung fördere. Dieser Gedanke müsse aber konsequent weitergedacht werden.„Solange wir nicht über die Strukturen sprechen, die Ausbeutung ermöglichen, behandeln wir Symptome statt Ursachen“, sagt Nobiling. „Wer Menschenhandel bekämpfen will, muss sich auch fragen, welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Ausbeutung begünstigen.“
Die Diskussion darüber sei darum keine Frage persönlicher Moralvorstellungen, sondern eine Frage der Menschenwürde.
Nobiling: „Für Christen beginnt die Würde des Menschen bei Gottes bedingungslosem Ja zu jedem einzelnen Leben. Daraus erwächst nicht zuletzt politische Verantwortung, jedem Menschen den Schutz und die Achtung zukommen zu lassen, die ihm von Gott zugestanden wurden.“
Samaritan’s Purse widmet sich der Unterstützung von Menschen in Not, unabhängig von deren Herkunft, Religion oder Kultur. Unter dem Motto „Helping in Jesus‘ Name“ leistet Samaritan’s Purse weltweit humanitäre und medizinische Hilfe in Kriegs- und Krisengebieten. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt ist vor allem die internationale Geschenkaktion „Weihnachten im Schuhkarton“, die Menschen einlädt, Kindern nicht nur das Nötigste zukommen zu lassen, sondern sie zu beschenken und ihnen die Botschaft von der Liebe Gottes zu überbringen. Der deutsche Zweig von Samaritan’s Purse wird von Sylke Busenbender und Marina Nobiling geleitet.
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