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Kindersitze: So lange wie möglich rückwärts sitzen

Heutzutage gibt es zahlreiche topgetestete Kindersitze auf dem Markt. Doch selbst diese können zum Risiko werden, wenn man sie falsch bedient oder sie nicht zum Einsatzzweck passen, warnt Markus Egelhaaf, Unfallforscher bei der Prüforganisation Dekra, im Gespräch mit auto motor und sport. „Entscheidend ist, dass der Kindersitz zum Kind, zum Fahrzeug sowie zum Alltag passt und korrekt genutzt wird“, so der Experte. „Ein guter Kindersitz entfaltet seine Schutzwirkung nur dann, wenn er fehlerfrei genutzt wird. Die Bedienbarkeit ist daher ein zentrales Sicherheitskriterium.“

Obwohl die Handhabung der Sitzung dank Isofix-Befestigungssystem einfacher und sicherer geworden ist, kann es trotzdem zu Problemen kommen. „Isofix hat die Sicherheit deutlich verbessert, ersetzt aber nicht die richtige Anwendung“, so Egelhaaf. So müssen auch Isofix-Sitze passgenau an die Rückenlehne angeschoben sein. Zudem erfordern Systeme mit integrierten Gurten, etwa Babyschalen, fast immer einen Rotationsschutz. Er wird über einen Stützfuß oder einen sogenannten Top-Tether realisiert. Doch nicht jedes Auto besitzt Top-Tether-Verankerungen, zudem sind manche Fahrzeugböden der Belastung durch einen Stützfuß nicht gewachsen, zum Beispiel wenn sich im Boden Staufächer befinden.

Bei Kleinkindern rät Egelhaaf zum möglichst langen Transport mit einer rückwärts montierten Schale. „Rückwärtsgerichtete Kindersitze bieten bei Frontalunfällen einen deutlich besseren Schutz, weil Kopf und Nacken des Kindes wesentlich geringer belastet werden. Deshalb sollten Kinder möglichst lange so mitfahren, auch über die Mindestanforderungen der Norm von 15 Monaten hinaus.“ Idealerweise gelte das bis zum Alter von drei bis vier Jahren. Der Wechsel in die vorwärtsgerichtete Position sollte erst erfolgen, wenn das Kind aus dem Sitz herausgewachsen ist oder sich vehement gegen das Rückwärtsfahren wehrt.

Warum empfiehlt Egelhaaf das lange rückwärts Sitzen? Kinder in einem vorwärts montierten Sitz können schwerere Verletzungen im Nackenbereich erleiden. „Bei einem Frontalaufprall in einem vorwärts gerichteten Sitz wird der Körper durch das Gurtsystem stark abgebremst, während der Kopf aufgrund seiner Trägheit massiv nach vorn reißt“, erklärt Egelhaaf. Die dabei entstehenden Zug- und Biegekräfte im Hals- und Nackenbereich könnten zu schwersten Verletzungen führen. In einem rückwärtsgerichteten Kindersitz werde das Kind dagegen großflächig in die Rückenlehne gedrückt, sodass die einwirkenden Kräfte gleichmäßig auf Kopf, Nacken und Rücken verteilt würden.

Redakteurin: Carina Belluomo

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