Bildung & Karriere

Deutliches Plus zum Start ins neue Ausbildungsjahr: Handwerk gewinnt weiter hinzu

Mit einem Plus von 10,11 Prozent gegenüber dem Vorjahr startet das Handwerk der Region am 1. September ins neue Ausbildungsjahr. Stand 31. August 2026 wurden insgesamt 1.372 neue Ausbildungsverträge in die Lehrlingsrolle der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald eingetragen. Damit beweist das Handwerk in der Region einmal mehr seine Verlässlichkeit als solider Ausbildungspartner. „Wir freuen uns über diese positive Entwicklung, möchten aber nicht unerwähnt lassen, dass weiterhin zahlreiche Lehrstellen noch unbesetzt sind“, sagt Kammerpräsident Klaus Hofmann.

Die aktuell vorliegenden Zahlen sind eine Momentaufnahme und können sich bis Jahresende noch ändern. „Es gibt immer Nachzügler; das eine oder andere Ausbildungsverhältnis wird vielleicht auch wieder gelöst“, sagt Claudia Orth, Leiterin des Geschäftsbereichs Berufsbildung der Handwerkskammer. Ein finales Ergebnis liege daher immer erst zum Jahresende vor. Dennoch geht Claudia Orth von einem stabilen Plus bei den Neuverträgen, zumindest im einstelligen Bereich, aus.

Verteilung in den Kreisen

Beim Blick auf die Stadt- und Landkreise im Kammerbezirk ragt aktuell der Stadtkreis Heidelberg mit einem Plus von rund 34 Prozent gegenüber Vorjahr heraus. Auch der Rhein-Neckar-Kreis ist mit einem Zuwachs von rund 20,3 Prozent gut vertreten. Ein leichtes Plus gibt es im Stadtkreis Mannheim mit rund 2,5 Prozent. Einziges Minus-Ergebnis verzeichnet nach jetzigem Stand der Neckar-Odenwald-Kreis, der gegenüber dem Vorjahr bei minus 12,3 Prozent liegt. Bliebe das Ergebnis bis Jahresende so bestehen, wäre es der zweite Rückgang in Folge, nachdem auch 2025 ein Minus von drei Prozent gegenüber 2024 festgehalten wurde.

Zum vierten Mal in Folge zugelegt

Insgesamt betrachtet freut sich das regionale Handwerk jedoch seit 2022 über steigende Ausbildungszahlen. 2025 registrierte die Lehrlingsrolle zum Jahresende ein Plus von rund 4,1 Prozent. In diesem Jahr wird der Zuwachstrend zum vierten Mal in Folge bestätigt. Die Gesamtzahl der am 31. August 2026 im Kammergebiet Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald bestehenden Ausbildungsverträge im Handwerk lag bei 4.297.

Beliebt: Klima-Handwerke

Als beliebteste Berufe stellen sich erneut dem Klimahandwerk zugeordnete Zweige heraus. So sind die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge bei den Anlagenmechanikern für Sanitär, Heizung, Klima gegenüber dem Vorjahr um 11,2 Prozent auf nun 198 Neu-Azubis angewachsen. Auch Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik legen mit aktuell 165 neuen Ausbildungsverträgen ein Plus von 9,3 Prozent hin.

Mit 200 neuen Ausbildungsverträgen bleibt der Beruf des Kfz-Mechatronikers aber weiterhin die Nummer eins im Kammergebiet.

Nach wie vor spärlich sieht es hingegen bei Berufen des Nahrungshandwerks, also bei Konditoren, Bäckern und Fleischern aus. Immerhin ist ein Plus von 9 Prozent zu verzeichnen, das sich jedoch bei gerade einmal 48 Neu-Azubis in den drei genannten Berufen auf einem niedrigen Niveau bewegt.

Bewerbungen lohnen sich jetzt noch

Das erfreuliche Gesamt-Plus zum Start ins beginnende Ausbildungsjahr dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Fachkräftemangel zu den dringendsten Herausforderungen für die Wirtschaft zähle. „Nach wie vor haben wir zu wenige junge Menschen, die den Ausbildungsweg ins Handwerk einschlagen“, sagt Präsident Klaus Hofmann. „Das stellt uns und die Gesellschaft insgesamt vor das Problem, dass der Bedarf an handwerklicher Leistung kaum gedeckt werden kann.“ Handwerker würden bei allen Zukunftsaufgaben von Klimaschutz bis Wohnungsbau dringend benötigt und seien wichtige Partner für den Bedarf des täglichen Lebens. „Unsere Azubis sind die Basis für die Entwicklung des Handwerks der Zukunft“, so Präsident Hofmann. „Wir freuen uns über jede Hand, die mit anpackt, und hoffen darauf, dass sich der eine oder andere noch Last Minute für eine Ausbildung im Handwerk entscheidet.“ Sein Appell: Bewerbungen lohnen sich auch jetzt noch. Offene Stellen gebe es genug.

Statements zur neuen Ausbildungsstatistik (Präsident Klaus Hofmann, Hauptgeschäftsführer Jens Brandt, Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald):

Wie ist das Plus von 10 Prozent zum Ausbildungsstart 2026 zu werten?

Jens Brandt, Hauptgeschäftsführer: „Es ist eine erfreuliche Entwicklung, die zeigt, dass die Attraktivität von Handwerk in der Gesellschaft gesehen wird. Gerade vor dem Hintergrund eines Arbeitsmarktes, der unter den Gegebenheiten einer schwierigen wirtschaftlichen Lage leidet, und den Veränderungen, die sich durch den Einfluss von künstlicher Intelligenz ergeben, zeigt sich Handwerk stabil und bietet eine gewisse Sicherheit. Wie groß das Plus an Neu-Azubis im Kammergebiet sein wird, können wir aber erst zum Jahresende sagen.“

Worauf führen Sie die positive Entwicklung zurück?

Klaus Hofmann, Präsident: „Da gibt es sicher mehrere Faktoren. Es ist angekommen, dass es im Handwerk sinnstiftende Berufe gibt, was jungen Menschen besonders wichtig ist. Auch die Möglichkeit, Zukunft mitzugestalten, scheint relevant. Das lässt sich am Boom in den Klima-Handwerken ablesen. Gleichzeitig bereitet es Sorge, wenn in der Industrie Stellen abgebaut werden oder Künstliche Intelligenz die Arbeit von Menschen in manchen Bereichen überflüssig macht. Handwerk ist hiervon weniger betroffen.“

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie dennoch?

Jens Brandt, Hauptgeschäftsführer: „Allein aufgrund der demografischen Entwicklung besteht ein Ungleichgewicht zwischen Lehrstellenangebot und Ausbildungsinteressierten. Unsere Aufgabe muss weiterhin sein, die Möglichkeiten und Karrierewege im Handwerk zu verdeutlichen und für die Attraktivität von Handwerksberufen zu werben. Wir haben einen großen Bedarf, der sich beispielsweise auch bei anstehenden Betriebsübergaben zeigt. Azubis sind das Fundament, damit der Zyklus bis hin zur Selbständigkeit funktioniert. Es muss uns gelingen, bestehendes Potenzial noch besser auszuschöpfen. Stichwort „Frauen im Handwerk“. Die Richtung stimmt zwar, wenn man bedenkt, dass der Frauen-Anteil bei den Neu-Azubis um 30 Prozent gegenüber Vorjahr gestiegen ist. Dennoch liegt der Anteil von Frauen unter den Azubis insgesamt gerade einmal bei rund 17 Prozent. Da ist noch viel Luft nach oben.“

Wie unterstützt die Handwerkskammer?

Klaus Hofmann, Präsident: „Die Handwerkskammer begleitet in allen Phasen. Wir unterstützen bei der Berufsorientierung mit eigenen Veranstaltungen, Messebesuchen, unserem Beratungsangebot, aber auch durch Kooperationen mit Schulen. Wir sind Ansprechpartner bei allen Fragen rund um das Thema Ausbildung – für Schüler und Eltern genauso wie für Azubis im Handwerk und für Ausbildungsbetriebe. Wir bieten Fort- und Weiterbildung an, um Karrierewege im Handwerk zu begleiten. Wir bieten ein unterstützendes Rundum-Paket.“

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