Dr. Reuter Investor Relations – Einsatz von emissionsarmem Beton bei der PORR
Die europäische Taxonomie-Verordnung und die neue CSRD-Berichtspflicht erhöhen den Druck auf die Bauwirtschaft. Unternehmen müssen ihre Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zunehmend transparent erfassen, dokumentieren und reduzieren. Für die PORR Group (ISIN: AT0000609607), die im Geschäftsjahr 2025 Umsatzerlöse von rund 6,3 Milliarden Euro erzielte und für ihre gesamte Wertschöpfungskette eine Treibhausgasbilanz von rund 3,7 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten ausweist, zählt die Dekarbonisierung daher zu den strategischen Kernaufgaben.
Zementsorte „CEM II/C“ als Hoffnungsträger
Ein wichtiger Baustein dieser Entwicklung ist die Zementsorte CEM II/C. Sie wurde im Rahmen neuer europäischer Normen eingeführt und gilt als vielversprechender Ansatz zur Dekarbonisierung der Bauindustrie. Im Vergleich zu herkömmlichen Portlandzementen enthält CEM II/C deutlich weniger Klinker. Dadurch lassen sich die CO₂-Emissionen bereits bei der Herstellung spürbar senken.
Wie groß dieses Potenzial in der Praxis ausfallen kann, zeigt eine 2025 veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung. Die Autoren analysierten den Einsatz von CEM II/C-M in Kombination mit Recyclingzuschlägen und kamen zu dem Ergebnis, dass sich der CO₂-Ausstoß gegenüber konventionellen Betonrezepturen deutlich verringern lässt. Der untersuchte Zement verursachte rund 377 Kilogramm CO₂ je Tonne und lag damit etwa 25 Prozent unter dem österreichischen Durchschnittszement des Referenzjahres 2020. Gleichzeitig bestätigte die Studie, dass sich die geforderten technischen Eigenschaften auch bei anspruchsvollen Bauprojekten erreichen lassen. Für die Bauwirtschaft liefert dies einen wichtigen Nachweis, dass Nachhaltigkeit und Leistungsfähigkeit bestens miteinander vereinbar sind.
Seestadt Aspern als Praxisbeispiel
Wie solche Innovationen auf der Baustelle umgesetzt werden können, zeigt das PORR-Projekt „Zentralberufsschule Seestadt Aspern“ in Wien. Dort kam in größerem Umfang der CO₂-reduzierte Zement CEM II/C zum Einsatz. Damit setzt das Projekt mit Blick auf die erwarteten CO₂ Einsparungen neue Maßstäbe für klimafreundliches Bauen in Österreich.
Nach aktuellen Hochrechnungen der PORR werden bis Projektende September 2028 rund 36.000 Kubikmeter Beton mit dem emissionsärmeren Zement CEM II/C verbaut. Die erwarteten Treibhausgaseinsparungen belaufen sich auf circa 4.200 Tonnen CO₂-Äquivalente. Begünstigt wird dies durch optimierte Transportwege zwischen Betonwerk und Baustelle. Zugleich erfüllt der Beton sämtliche Anforderungen hinsichtlich Tragfähigkeit, Dauerhaftigkeit und Sicherheit.
Das Beispiel zeigt, dass nachhaltige Baustoffe längst nicht mehr nur Gegenstand von Forschung und Entwicklung sind, sondern zunehmend im regulären Hochbau eingesetzt werden. Gerade öffentliche Auftraggeber legen heute immer größeren Wert auf die CO₂-Bilanz von Bauprojekten. Entsprechend wächst die Bedeutung emissionsarmer Betonlösungen für die Bauwirtschaft kontinuierlich.
KI und Recycling als Ergänzung
Für die PORR endet die Nachhaltigkeitsstrategie jedoch nicht beim Einsatz von CEM II/C. Das Unternehmen verfolgt einen breiten Ansatz, um den Materialeinsatz und die Emissionen auf Baustellen zu optimieren. Dazu gehört unter anderem die Nutzung von Recyclingmaterialien, die Rückführung von Baustoffen in den Wirtschaftskreislauf sowie die verstärkte Digitalisierung von Bauprozessen.
Besonders interessant erscheint dabei der Einsatz von künstlicher Intelligenz. Die PORR arbeitet an Verfahren, bei denen Algorithmen unterschiedliche Beton- und Asphaltmischungen analysieren und optimieren. Ziel ist es, den Materialverbrauch zu senken, höhere Recyclinganteile zu ermöglichen und gleichzeitig die gewünschten technischen Eigenschaften sicherzustellen. Darüber hinaus helfen digitale Werkzeuge dabei, Materialströme besser zu planen und Ressourcen effizienter einzusetzen.
Emissionsarmer Beton entwickelt sich damit zu einem wichtigen Zukunftsthema für die gesamte Bauindustrie. Projekte wie die Zentralberufsschule Seestadt Aspern zeigen, dass sich die Klimabelastung von Bauwerken bereits heute deutlich reduzieren lässt. Für die PORR bietet diese Entwicklung die Möglichkeit, Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit miteinander zu verbinden. Angesichts strengerer Klimavorgaben und steigender Anforderungen an die CO₂-Bilanz von Gebäuden dürfte die Bedeutung solcher Lösungen in den kommenden Jahren weiter zunehmen.
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