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Preisforscher: Autofahrer gewöhnen sich schnell an gestiegene Preise

An das seit Monaten stark gestiegene Preisniveau an den Zapfsäulen werden sich die Autofahrer zunehmend gewöhnen und es als „normal“ empfinden. „Jeder Autofahrer hat einen inneren Vergleichspreis im Kopf, an dem er misst, ob ihm ein Preis günstig oder teuer vorkommt. Dieser Vergleichspreis wandert mit jedem Tankstopp ein Stück in Richtung des tatsächlich bezahlten Preises, und zwar umso schneller, je häufiger wir kaufen“, sagt der Preisexperte Markus Husemann-Kopetzky, der an der Freien Universität Berlin zu Pricing und Preispsychologie forscht. „Beim Tanken dauert das – nach allem, was die Forschung zeigt – nur wenige Wochen.“

Deshalb seien die Mineralölkonzerne in der Lage, ein auf Dauer höheres Preisniveau durchzusetzen. „Die Gewöhnung spielt den Anbietern in die Hände: Je länger ein hohes Preisniveau anhält, desto eher empfinden wir es als normal.“ Allerdings würden die Verbraucher je nach Ursache des höheren Preisniveaus unterscheiden, ob die Preise als „fair“ empfunden werden. „Autofahrer fragen sich, warum der Preis steigt. Sind es höhere Produktionskosten, akzeptieren sie das eher. Vermuten sie dagegen, dass die Konzerne vor allem ihren Gewinn steigern wollen, bleibt das Gefühl von Unfairness, und das bremst die Gewöhnung“, so Husemann-Kopetzky, der früher als Senior Pricing Manager bei Amazon gearbeitet hat.

Psychologie ist auch bei der Bewertung des Tankrabatts und eines Preisdeckels im Spiel. „Solche Instrumente schaden eher, als dass sie helfen. Der Autofahrer erlebt drei Schritte: Der Preis steigt stark, sinkt durch den Rabatt etwas und steigt nach dessen Ende erneut“, erklärt der Preisforscher. „Preiserhöhungen schmerzen uns aber mehr, als uns gleich große Senkungen freuen, und zwei Erhöhungen tun mehr weh als eine große. Die kurze Entlastung wird vom zweiten Preissprung also mehr als aufgezehrt, wie man nach dem Ende des Tankrabatts im Herbst 2022 sehen konnte.“

Redakteur: Claudius Maintz

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