ZF-Chef will Konzern vom Auto unabhängiger machen
Bei der Antriebstechnik sieht Miedreich die Automobilbranche vor dem Problem, dass die Rechtslage in der EU nicht klar ist. „Technologisch ist die deutsche Automobilindustrie sehr gut gewappnet. Sie ist stark und hat Antworten auf Herausforderungen. Das Problem ist die Gesetzgebung“, kritisiert der ZF-Chef. „Meine persönliche Meinung: Das, was wir heute sehen, ist immer noch zu kurz gesprungen. Es erlaubt keine echte Flexibilisierung. Wir nehmen den Kunden Optionen – gerade denen, die lieber erst mal ein Hybridmodell kaufen würden, weil sie beim Laden noch Unsicherheit haben. Wenn Brüssel hier nicht nachbessert, werden viele Wahlmöglichkeiten de facto wieder eingeschränkt. Das ist in der öffentlichen Diskussion noch nicht klar genug angekommen.“
Skeptisch ist Miedreich, ob die höheren Absatzzahlen von reinen Elektroautos von Dauer sind. „Ich bin vorsichtig mit Prognosen, da haben wir in der Vergangenheit gesehen, dass uns die Realität eines Besseren belehrt hat. Wir dachten lange, es wird eine schnelle Umstellung, und alle gehen sofort auf Elektro. Was wir jetzt sehen, ist ein pragmatischerer, technologisch breiterer Ansatz. Zwar ziehen die BEVs dieser Tage im Verkauf wieder an, aber daraus würde ich noch keine große Trendwende ableiten.“
Zwar setze ZF auf den Elektroantrieb, aber das sei weit mehr als reine Elektromobilität. „Elektrisch heißt nicht immer rein elektrisch, sondern wir müssen Hybride und Plug-in-Hybride gleich mitdenken.“ Die Entwicklung der Märkte sei ganz unterschiedlich. „In China wird Elektro weiter stark zulegen. In Europa ebenfalls – auch weil sich Konsumenten an das Thema gewöhnen.“ Wenig Zukunft für Elektroautos sieht Miedreich in Nordamerika. „In den USA setze ich noch ein großes Fragezeichen. Unsere Kunden dort sind teilweise wieder auf reine Verbrenner-Plattformen zurückgegangen und setzen wieder V8-Motoren mit über fünf Litern Hubraum ein – ganz anders als in Europa. Wenn dort elektrifiziert wird, dann eher als Vollhybrid, nicht als Plug-in. Der US-Konsument hat, so berichten es unsere Kunden, eine klare Abneigung, irgendetwas mit einer Steckdose zu machen.“ Günstige Verbrenner sieht Miedreich vorrangig auf den Märkten Südamerika, Afrika und Indonesien.
Redakteurin: Birgit Priemer
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