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Chinesische Hersteller machen Europa zur Werkbank

Die Entscheidungen chinesischer Autohersteller, verstärkt in Europa zu produzieren, sieht der Autoexperte Stefan Reindl, Professor am Institut für Automobilwirtschaft in Geislingen, zum Teil kritisch. Zwar könnten Europa und Deutschland Wertschöpfung zurückgewinnen, gleichzeitig sieht er die Gefahr, dass Europa nur verlängerte Werkbank Chinas werde und weiteres Knowhow an die chinesische Konkurrenz verliere. „Die industriepolitische Chance liegt darin, dass Europa nicht nur Absatzmarkt für chinesische Fahrzeuge wird, sondern industrielle Wertschöpfung zurückgewinnen kann“, so Prof. Reindl gegenüber auto motor und sport. „In einer Phase schwacher Werksauslastung ist jede zusätzliche Produktion für Standorte, Beschäftigte und Zulieferer relevant.“

Die höhere Auslastung ihrer Werke würde die europäischen und deutschen Hersteller aber teuer bezahlen. „Wer chinesischen Wettbewerbern europäische Fertigungskapazität, Prozesswissen, Lieferantenzugang und regulatorische Erfahrung öffnet, senkt deren Eintrittsbarrieren. Kurzfristig hilft das gegen Unterauslastung, langfristig kann es den Preisdruck auf die eigenen Marken erhöhen“, so Reindl. „Für westliche Hersteller ist die entscheidende Frage deshalb, ob sie nur Kapazität vermieten – oder ob sie im Gegenzug Technologiezugang, Kostenvorteile und neue Produktkompetenz gewinnen.“

Gleichzeitig werde die chinesische Konkurrenz den Kostendruck in Europa weiter erhöhen. „Der Kostendruck steigt, die Zeitfenster für eigene bezahlbare Elektroautos werden kleiner, und der Wettbewerb verlagert sich von Importfahrzeugen hin zu lokal produzierten chinesischen Marken mit europäischer Lieferfähigkeit.“

Redakteur: Sascha Wölfel

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